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Die «Unité d’épidémiologie populationnelle» der Universitätsspitäler Genf wurde vom CIPRET-Genf, der Fachstelle für die Tabakprävention, mit der Durchführung einer Umfrage beauftragt, um die Kenntnisse und Auffassungen der Genfer über umweltspezifische und soziale Aspekte des Rauchens zu untersuchen. Hier die Ergebnisse dieser Umfrage …

Über 800 Teilnehmende zwischen 20 und 79 Jahren haben auf die Umfrage geantwortet, wobei die meisten Teilnehmenden Nichtraucher waren. Die Studie wurde in mehrere Abschnitte unterteilt, um die Auffassungen der Bevölkerung zu den verschiedenen Aspekten des Rauchens zu untersuchen. Die Ergebnisse wurden anschliessend mit dem Rauchstatus, dem Bildungsniveau und dem Einkommen der Befragten korreliert.

Mitgefühl für Problem-Personenkreis: benachteiligte Schichten

Mehrheitlich sind sich die Teilnehmenden der Umfrage bewusst, dass Personen aus einem schwierigen sozioökonomischen Umfeld die Hauptopfer des Rauchens sind. Rund die Hälfte der Befragten ist der Meinung, dass für benachteiligte Personen ein höheres Risiko besteht, dem Rauchen zu verfallen als für besser gestellte Personen. Und ihr Mitgefühl erstreckt sich nicht allein auf ihre Mitbürger: Mehr als zwei Drittel sind der Meinung, dass der Tabakanbau zur Ausbeutung der Bevölkerung in einigen Entwicklungsländern beiträgt, wo die Bevölkerung unter unwürdigen Arbeitsbedingungen leidet.

Aber mehr als die Hälfte der Befragten weiss nicht, dass für einkommensschwache Personen auch ein höheres Risiko für eine tabakbedingte Krankheit besteht. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) treten 80 % der vorzeitigen Todesfälle infolge Rauchens in Ländern mit schwachem oder mässigem Einkommen auf. Ferner verschärft Tabak die Gesundheitsprobleme der Ärmsten, die ihr Geld mehr für ihre Sucht als für eine gesunde Nahrung ausgeben. Und schliesslich sehen die meisten Teilnehmenden das Rauchen als eine echte Plage, die es auszumerzen gilt: Sie sind der Meinung, dass die Arbeitsplätze im Tabakanbau, in der Tabakindustrie und im Tabakhandel nicht die Fortsetzung dieser Tätigkeit angesichts der tabakbezogenen Gesundheitsprobleme rechtfertigen. Eine hauptsächlich von den Nichtrauchern geäusserte Meinung.

Eine allgemein anerkannte Umweltverschmutzung

Die Ergebnisse dieser Umfrage zeigen, dass die Umweltprobleme allen bewusst und ein zentrales Thema sind: Über 60 % der Teilnehmenden bestätigen die Tatsache, dass die Aktivitäten im Zusammenhang mit der Tabakproduktion und dem Tabakhandel eine erhebliche Quelle der Umweltverschmutzung sind. Ganz zu Recht sind die Befragten der Meinung, dass Zigarettenstummel erheblich zur Verschmutzung von Gewässern beitragen (eine breite Mehrheit findet es ferner inakzeptabel, dass Zigarettenstummel in den öffentlichen Raum geworfen werden). Es stellt sich heraus, dass bei der Herstellung von Tabakprodukten jedes Jahr rund 2 Millionen Tonnen feste Abfallstoffe anfallen, so die WHO. Beim Tabakanbau selbst kommen grosse Mengen an Pestiziden und toxischem Dünger zum Einsatz, die die Wasservorräte verschmutzen können. Diese Tatsache ist nur jedem dritten Befragten bekannt.

Wohl deshalb, weil sie sich weniger von diesem Phänomen betroffen fühlen (die geographische Entfernung macht’s), führen weniger Befragte das Problem der Abholzung aufgrund des Tabakanbaus in einigen Regionen der Erde an. Und dabei werden jedes Jahr 4,3 Millionen Hektar Land für den Tabakanbau benötigt, was im globalen Massstab zu einer Abholzung von 2 % bis 4 % der gesamten Waldfläche führt.

Ein Appell an die öffentlichen Behörden

Das WHO-Rahmenübereinkommen – das seit 2005 die Eindämmung des Tabakgebrauchs weltweit lenkt – wurde von 179 Ländern (darunter die Schweiz) und die Europäische Union ratifiziert: Offenbar hat mehr als die Hälfte der Länder weltweit wenigstens eine der von diesem Übereinkommen empfohlenen Massnahmen angewendet, insbesondere um die Tabakindustrie daran zu hindern, sich in die Regierungspolitiken einzumischen. In der Schweiz hat der Bundesrat im Rahmen seiner Strategie «Gesundheit2020» seine Tabakpräventionspolitik verschärft. Auch wenn nicht alle Kantone so stark in die Bekämpfung des Tabakkonsums involviert sind, so wurden im Land doch mehrere Initiativen gestartet: Gesetz über Tabakerzeugnisse, um junge Menschen zu schützen, Werbeeinschränkungen, Präventionskampagnen (SmokeFree unter der Leitung des Bundesamtes für Gesundheit), Projekt «Cool and Clean» für rauchfreie Sporteinrichtungen, sind allesamt Massnahmen, die den Tabakkonsum einschränken sollen.

Trotz dieser Anstrengungen scheint die Rolle der öffentlichen Hand bei der Bekämpfung des Tabakkonsums bei der Bevölkerung recht unbekannt zu sein. Die meisten der Befragten sind der Meinung, dass die Behörden Massnahmen ergreifen sollten, um die Belästigungen durch das Rauchen zu minimieren (Geruch, Lärm, Verschmutzung), als wenn bis dato nichts unternommen wurde … Eine breite Mehrheit der Befragten ist der Meinung, dass diese Massnahmen prioritär den Schutz der Umwelt betreffen sollten (Luft, Boden und Gewässer). Und schliesslich waren immerhin 66 % aller Befragten der Meinung, dass die Politiken angesichts der Kosten und Probleme für die Umwelt und die Gesundheit schlicht und ergreifend die Aktivitäten der Tabakindustrie einschränken sollten.

Eine oftmals verkannte Kostenbürde

In der Schweiz führt Tabak jedes Jahr zu 9500 vorzeitigen Todesfällen, das sind 25 Todesfälle pro Tag. Die Kosten für die Allgemeinheit gehen in die Milliarden: 1,7 Milliarden Franken pro Jahr für die Finanzierung der medizinischen Behandlung, zuzüglich ein Gewinnausfall in Höhe von 3,9 Milliarden Franken pro Jahr aufgrund kurz- oder langfristiger Arbeitsunfähigkeit der Raucher, die erkranken*. Obgleich nur vereinzelt Kenntnisse zu den Kosten des Tabakkonsums vorhanden sind, haben rund ein Drittel der Befragten, die ihre Meinung geäussert haben, die jährlich der Schweizer Bevölkerung entstehenden Kosten für medizinische Behandlungen der Raucher sowie die wirtschaftlichen Verluste richtig eingeschätzt.

Die gleiche Feststellung kann hinsichtlich der Abfallwirtschaft getroffen werden: die meisten der Befragten haben weder eine Ahnung von der jährlichen Abfallmenge durch das Rauchen noch von den diesbezüglichen Kosten für die Abfallbehandlung. In der Umfrage wurde die Abfallbehandlung (Sammeln und Entsorgen der Zigarettenstummel und Verpackungen) im Kanton Genf auf Fr. 600’000 geschätzt. Eine Zahl, die weit von der Realität entfernt ist in Anbetracht der 200 Millionen Franken, die jedes Jahr vom öffentlichen Gemeinwesen der Schweiz für die Bekämpfung des Litterings (das jeden achtlos weggeworfenen Abfall betrifft) ausgegeben werden.

Es wird geschätzt, dass jedes Jahr weltweit 845’000 Tonnen Zigarettenstummel als Unrat enden, das entspricht dem Gewicht von mehr als 140’000 Elefanten! Meistens landen sie im Meer (sie stellen 40 % der Abfälle im Mittelmeer dar)**. Und wie sieht es für den Kanton Genf aus? Jedes Jahr landen hunderte Millionen Zigarettenstummel auf den Genfer Strassen. Einige machen das Rauchverbot in öffentlichen Räumen dafür verantwortlich, das die Raucher nach draussen treibt und so zu einer höheren Verschmutzung der Strassen führt. Tatsächlich haben von den Rauchern, die die Umfrage beantwortet haben, kaum 40 % die Verwendung eines Taschenaschenbechers angegeben. Und doch hat die Mehrheit von ihnen zugegeben, dass ein solches Utensil sich hervorragend dazu eignet, sich der Menge an Zigarettenstummeln bewusst zu werden, die beim Rauchen anfallen. Dieser Gegenstand hat jedoch keine Auswirkung auf ihre Motivation, mit dem Rauchen aufzuhören…

To smoke or not to smoke…

Erwartungsgemäss können zahlreiche Meinungsunterschiede je nach Rauchstatus (Raucher oder Nichtraucher) der Teilnehmenden festgestellt werden. Sie äussern sich insbesondere bei Fragen zu Belästigungen (Geruch, Lärm, Verschmutzung), bei denen die Raucher ihrem eigenen Verhalten gegenüber mehr «Toleranz» zeigen. Die gleiche Feststellung kann bei Fragen getroffen werden, die die Rolle der öffentlichen Hand betreffen: die Erwartungen der Raucher sind weniger hoch. Alle scheinen sich jedoch den tabakbedingten Umweltproblemen bewusst zu sein, auch wenn die Befragten die tatsächlichen Kosten für die Entsorgung dieser Schadstoffe nicht wirklich einschätzen können.

« Krebs », « Geruch », « Sucht », « Rauch », « Abhängigkeit » und « Krankheit » sind die zentralen Schlüsselwörter, die von den Nichtrauchern genannt werden, wenn sie nach ihrer Assoziation mit dem Tabakkonsum gefragt werden. Aber für die Raucher, die sich den Gefahren des Tabaks auf die Gesundheit und seine Auswirkung auf die Umwelt bewusst sind, ist und bleibt diese Sucht vor allem ein Genuss. Es braucht noch viel Überzeugungsarbeit, um diese Bevölkerungsgruppe dazu zu bringen, definitiv auf ihr tägliches Gift zu verzichten.
Die Ergebnisse der vom CIPRET-Genf, der Fachstelle für die Tabakprävention, initiierten Umfrage waren letztlich ermutigend: die verschiedenen Bevölkerungsgruppen beginnen allmählich die verheerende Auswirkung des Rauchens auf die Entwicklung von Menschen und Ländern zu verstehen. Eine unentbehrliche kollektive Erkenntnis für eine Welt ohne Tabak …

SLI/FBR/AllTheContent

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