In unserer schnelllebigen Welt wird es immer schwieriger einfach mal auf den PAUSE-Knopf zu drücken, obwohl die Momente des Nichtstuns wichtig sind, um ein ausgewogenes Leben zu führen und gesund zu bleiben. Ein Prinzip, an das die Arbeitstiere, denen der Burnout quasi schon im Nacken sitzt, erinnert werden müssen.

Unsere Gesellschaft rennt der Zeit, Leistung und dem Geld hinterher. Prinzipien, die unseren Lebensstil prägen, häufig zulasten unserer Gesundheit. Anstatt sich bei Kopfschmerzen eine Ruhepause zu gönnen, greifen wir reflexartig zu einem Medikament und weiter geht’s im Programm, ohne unsere Beschäftigung zu unterbrechen. Im Krankheitsfall besteht die Herausforderung darin, so schnell wie möglich gesund zu werden, um innert kürzester Zeit an den Arbeitsplatz zurückzukehren.
Allerdings hat dieses grenzenloses Hetzen Auswirkungen auf die reibungslose Funktion des menschlichen Körpers. « Heute wird extrem viel Druck auf die Menschen ausgeübt, einen hektischen Lebensrhythmus anzunehmen und ihre Terminkalender bis zum Äussersten zu füllen », bemerkt der Psychiater Aurelio Mastropaolo. « Doch wird eine psychische oder körperliche Verletzung in einer Ruhephase besser heilen? » Dem Experten zufolge, existiert keine absolute Regel: « Die Heilungschancen sind unterschiedlich. Manche Personen haben es nötig, ständig beschäftigt zu sein, andere nicht. »

Ein durch Stress geschwächtes Immunsystem

Sind Kuren die Lösung, um wieder auf die Beine zu kommen? Aurelio Mastropaolo setzt eher auf Prävention und erklärt dies mit der Metapher eines Läufers. Sollte man auf Sprints setzen, bis einem die Puste ausgeht und diese mit Thalassotherapien unterbrechen, um durchhalten zu können, oder eher den Rhythmus eines Marathonläufers annehmen, um den Alltag zu bewältigen? Die zweite Lösung scheint empfehlenswerter. Es gilt also zu reagieren bevor man am Ende ist. In Fällen von Erschöpfung und Burnout ist für die Genesung eine Auszeit von mehreren Monaten notwendig. Wird erst einmal eine Kur verschrieben, ist es bereits zu spät!
Stress hat ausserdem negative Auswirkungen auf die Gesundheit. « Heute haben wir biologische Beweise », sagt der Experte. « Stress steigert die Ausschüttung von Cortisol (auch Hydrocortison genannt) und verringert die des sog. Erfolgshormons Testosteron. « Erreicht das Stresshormon Cortisol ein zu hohes Niveau, ist die betroffene Person nicht mehr in der Lage ihren Alltag zu bewältigen. Chronischer, monatelanger Stress beeinflusst des Weiteren die Funktion des Immunsystems. « Damit hängt auch die hohe Krebsrate zusammen », lässt der Psychiater weiterhin verlauten. « Unsere Gesellschaft, die der Zeit hinterherjagt, setzt auf Produktivität zulasten der Gesundheit. Es ist auch nicht erstaunlich, dass die Zahl der Konsultationen aufgrund psychischer Probleme explodiert! »

Ferien, eine Auszeit, die es zu schützen gilt

Zusätzlich zu den täglichen Pausen, ist die Ferienzeit ein wichtiger Moment im Jahr und man sollte den Mut haben, wirklich abzuschalten. « Die Gewerkschaften der Nachkriegszeit haben diese Ruheperiode, die Gelegenheit ist zu reisen und die Welt zu erkunden, durchgesetzt », unterstreicht der Psychiater. Allerdings ist es keine gute Idee, im Fall beruflich bedingter Erschöpfung einige Freitage zu nehmen, um neue Kräfte zu sammeln. Diese aufgrund einer zu stressigen Tätigkeit nötig gewordene Erholung fällt eher in den Bereich einer Arbeitsunfähigkeit als der fünf Wochen bezahlter Ferien.
Es ist nicht einfach « Nein » zu sagen und der Vorherrschaft des Geldes zu entkommen. Dennoch ist es gesund sich zu weigern, unter permanentem Stress zu arbeiten, sich Grenzen zu setzen und Auszeiten zu nehmen. « Ich glaube, die moderne Gesellschaft hat das kreative Potenzial der Langeweile vergessen, ebenso wie die Notwendigkeit der Erholung », lässt der Psychiater verlauten.


Ich brauche eine Pause, Erholung!
Was tun, wenn der Stress Sie krank macht?
– Mit seinem Umfeld sprechen und sich vor allem nicht isolieren.
– Mit seinem Hausarzt bzw. Allgemeinmediziner oder Psychotherapeuten reden.
– Sich nichts vormachen und glauben, das Problem alleine lösen zu können.

Copyright: AllTheContent / Aurelio Mastropaolo

Mit Dr. Aurelio Mastropaolo, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH
Mitglied der Gruppierung der waadtländischen Psychiater und Psychotherapeuten « Groupement des psychiatres-psychothérapeutes vaudois » (GPPV), leitet Aurelio Mastropaolo die Paar- und Familienberatung « Consultation Couple & Famille », eine ambulante Gesundheitseinrichtung, die individuelle Beratungen sowie Paar- und Familientherapien anbietet.

SLI/FBR/AllTheContent

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