Wie die Natur, die einen neuen Lebenszyklus beginnt, erwacht mit dem Frühlingsanfang auch in vielen von uns der Wunsch zur Erneuerung, die Lust etwas zu ändern, z. B. das Haus oder die Wohnung gründlich zu putzen und ‘auszumisten’ – daher der Begriff ‘Frühjahrssputz’ –die Ernährung umzustellen, eine neue Diät zu beginnen u.v.m. Es ist ebenfalls ein guter Zeitpunkt, einen Gesundheits-Check vorzunehmen, zu kontrollieren, ob «die Maschine» bereit für ein neues Jahr ist…

Ein regelmässiger Gesundheits-Check ist eine Präventivmassnahme, d.h. eine Untersuchung im Rahmen der Vorsorge, auch wenn kein besonderes gesundheitliches Problem vorliegt. Dr. Berdah, Arzt für Allgemeinmedizin in Renens erklärt, dass eine «Standortbestimmung» somit in jedem Alter vorgenommen werden kann: «Eltern kommen mit ihren Kindern bereits in jungen Jahren zu regelmässigen Untersuchungen in die Praxis, um eine umfassende Gesundheitsbilanz zu erstellen. Im Erwachsenenalter liegt es an jeder und jedem Einzelnen, ob sie dies weiterführen oder nicht. Personen, die längere Zeit keinen Arzt konsultiert haben, kommen im Allgemeinen im Alter von 18 bis 20 Jahren für eine gesundheitliche Bestandesaufnahme.» Unser Experte erläutert, dass diese Gesundheitsbilanz nicht standardisiert ist. «Ein Check-up umfasst mehr oder weniger Untersuchungen, je nach Lebensstil (Rauchen, zu üppige Mahlzeiten, zu starke Aufnahme von UV-Strahlen usw.) und familiärem Hintergrund (Krebserkrankungen, Herz-Kreislauf-Probleme usw.).» Der Arzt wird also zunächst ein ausführliches, detailliertes Gespräch mit der Patientin bzw. dem Patienten führen und anschliessend entscheiden, welche Tests und Kontrollen sinnvoll wären. Dazu gehört die zweifelsohne als erstes durchzuführende Blutanalyse, um einen Gesamtüberblick des Gesundheitszustands zu bekommen.

Das Blutbild: eine wertvolle Informationsquelle

Diese von Ihrem Haus- oder Facharzt verordnete Untersuchung ermöglicht das Messen der Konzentration verschiedener Stoffe im Blut: rote und weisse Blutkörperchen, Thrombozyten (auch Blutplättchen genannt), Hormone, Mineralsalze, Cholesterin usw. Solch ein Blutbild kann unvermutete Mangelerscheinungen anzeigen oder auch eine Infektion oder gar Fehlfunktion eines Organs (vor allem der Leber und Nieren) aufdecken. Eine geringere Anzahl der roten Blutkörperchen kann Zeichen einer Anämie sein (im Allgemeinen durch Nährstoffmangel verursacht oder auch erblich bzw. krankheitsbedingt). Die Leukozyten (weisse Blutkörperchen) gehören zum Immunsystem und im Fall einer Infektion oder Entzündung steigt ihre Anzahl. Die Kategorie «Lipide» der Blutanalyse ist ebenfalls sehr aufschlussreich. Zunächst wird Anteil an Triglyzeriden (Nahrungsfette) angezeigt. Exzessiver Alkoholkonsum und/oder Rauchen sowie Übergewicht gehören zu den Faktoren, die zu einem erhöhten Triglyzeridspiegel beitragen. Es ist bekannt, dass orale Kontrazeptiva (Verhütungsmittel) ebenfalls die Triglyzeridwerte erhöhen. Besonders wichtig ist die Bestimmung des Cholesteringehalts im Blut: Entgegen der gängigen Annahme, besteht nicht zwingend ein Zusammenhang zwischen Cholesterin und Übergewicht, und jede bzw. jeder sollte diesen Wert alle drei bis fünf Jahre kontrollieren lassen. Ein zu hoher Cholesterinspiegel, grösstenteils aufgrund einer Ernährung zu reich an gesättigten Fettsäuren, ist schädlich für unseren Organismus. Der Blutzucker zeigt die Zuckerkonzentration im Blut an. Ein erhöhter Zuckerspiegel ist generell ein Indiz für Diabetes.

Männer und Frauen, geschlechterspezifische Vorsorge

Es ist empfehlenswert, dass Frauen ab 20 alle 2 Jahre eine gynäkologische Untersuchung, einschliesslich Abstrich, vornehmen lassen, um Gebärmutterhalskrebs vorzubeugen. Ratsam ist auch, von Zeit zu Zeit seine Brust abzutasten (beispielsweise beim Duschen) und nach allfälligen Knötchen oder Verhärtungen zu suchen. Ab 50 ist eine zweijährliche Mammographie empfohlen, um sicherzustellen, dass keinerlei Schädigung bzw. Anomalie des Gewebes vorliegt. Auch Männer sind nicht von Vorsorgemassnahmen verschont: Ab 50 sollten sie ihre Prostata alljährlich untersuchen lassen. Eine Koloskopie (Darmspiegelung) – Untersuchung, bei der die Dickdarmwand kontrolliert wird – wird allen Personen, unabhängig vom Geschlecht, angeraten. Mit dieser von Gastroenterologen durchgeführten Untersuchung zur Früherkennung können Anomalien (Polypen, Divertikel, Entzündungen usw.) klar erkannt und die Entwicklung von Dickdarmkrebs vermieden werden. Selbstverständlich können gewisse Faktoren dazu führen, dass diese Untersuchungen häufiger bzw. bereits zu einem früheren Zeitpunkt im Leben stattfinden sollten, wie familiäre Vorbelastung in Bezug auf Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes, Krebs usw. oder bestimmte «ungesunde» Gewohnheiten (Rauchen- und/oder Alkoholkonsum, Bewegungsmangel, schlechte Ernährung usw.).

Impfungen auf dem neuesten Stand?

Generell verfolgen Eltern die Impfungen ihrer Kinder sehr genau. Im Erwachsenenalter hingegen verliert sich tendenziell diese Beflissenheit. Sollten Sie Zweifel hinsichtlich der Aktualität Ihrer Impfungen hegen, zögern Sie nicht, Ihren Impfausweis von einer Fachkraft des Gesundheitswesens überprüfen zu lassen, die Sie kompetent beraten kann. Weiterhin finden Sie auf der Webseite von InfoVac den regelmässig aktualisierten schweizerischen Impfplan. «Es wird insbesondere empfohlen, dass Erwachsene ab dem 25. Lebensjahr die DTK-Impfung (Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, A.d.R.) auffrischen lassen», erinnert uns Dr. Berdah. «Anschliessend sollte alle 20 Jahre eine Nachimpfung stattfinden.» Vor allem ist die Impfung gegen Keuchhusten (auch Pertussis genannt) fundamental. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hebt hervor, dass tatsächlich weiterhin schwere Fälle von Keuchhusten bei Säuglingen verzeichnet werden – und es sind die Erwachsenen, die eine bedeutende Infektionsquelle darstellen. Diese empfohlenen Basisimpfungen ergänzt das BAK mit der Grippeschutzimpfung für Personen ab 65 Jahren.

Überprüfung der Ernährung

Das in den westlichen Ländern epidemieartig um sich greifende Übergewicht macht auch vor der Schweiz nicht halt. Dieses Gesundheitsproblem betrifft 41,2% der Bevölkerung, mit einem deutlichen Unterschied zwischen Männern (51%) und Frauen (32%). Die Fettleibigkeit im eigentlichen Sinn, d. h. der Body Mass Index (BMI) liegt über 30, hat sich innerhalb von 20 Jahren mehr als verdoppelt und mehr als 11% der Männer und 9% der Frauen sind betroffen! Ganz gleich ob es Erwachsene oder Kinder betrifft, die Ursachen dieser ‘Volkskrankheit’ sind zahlreich, wie unzureichende körperliche Betätigung (vor allem bei den Personen jünger als 24), schlechte Essgewohnheiten (ständiges Knabbern, übermässig viel Zucker und gesättigte Fette) usw. Vereinbaren Sie einen Termin bei einer professionellen Ernährungsberatung analysieren Sie gemeinsam Ihre derzeitige Ernährung. Falls notwendig, hilft Ihnen der Ernährungsspezialist bzw. die -spezialistin dabei, wieder zu einer ausgewogenen Ernährung zurückzufinden. Gleichzeitig sollten Sie eine körperliche, an Alter und Möglichkeiten angepasste Betätigung in Betracht ziehen, um Ihren Körper zu stärken, in Form zu bringen und schnell zu Ihrem Normalgewicht zurückzufinden.

Nehmen wir die Haut genau unter die Lupe

Die Schweiz belegt weltweit Rang 2 der Länder, in denen die meisten Melanome auftreten – nur Australien hat eine noch höhere Rate. Jedes Jahr werden 2’700 neue Fälle von Hautkrebs verzeichnet. Daher sollten Sie, bevor Sie sich der Sonnenstrahlung aussetzen bzw. die strahlende Sonne geniessen, Ihren gesamten Körper gewissenhaft und gründlich nach auffälligen Flecken und Veränderungen von Muttermalen absuchen und diese beobachten. Denken Sie stets an die sogenannte ABCDE-Regel: A – Asymmetrisch, B – Begrenzung (Ränder) unregelmässig, unscharf, C – engl. Color = Farbe, nicht einheitlich, D – Durchmesser > 5 mm und E – Erhabenheit. Sollten Sie auch nur den kleinsten Zweifel haben oder treffen mehrere dieser Kriterien zu, vereinbaren Sie umgehend einen Termin bei einem Dermatologen. Falls dieser Ihre Sorgen teilt, wird er eine Exzisionsbiopsie (Entfernung des Mals mit anschliessender Gewebeanalyse) vornehmen.

Weitere Routineuntersuchungen

Ab einem Alter von 40 Jahren können Sehstörungen auftreten, vor allem die Alterssichtigkeit (Presbyopie), eine– wie der Name schon sagt – Folge der Alterung des Auges, ist unvermeidlich. Sobald Sie Bücher oder Zeitungen und Zeitschriften immer weiter von Ihren Augen entfernt halten müssen, um richtig lesen zu können, ist es Zeit, einen Augenarzt aufzusuchen! Die Katarakt (auch Grauer Star genannt) ist ebenfalls eine altersbedingte Sehstörung, bei welcher das Auge der Betroffenen alles wie durch einen Schleier oder dichten Nebel wahrnimmt. «Eine Vorsorgeuntersuchung zur Früherkennung eines allfälligen Glaukoms kommt ebenfalls in Frage», fügt Dr. Berdah hinzu. «Auch wenn gewisse Faktoren (Vererbung, Augentrauma, signifikante Myopie, Diabetes usw.) das Risiko, diese degenerative Erkrankung zu entwickeln, steigern, so kann jede und jeder von einem Glaukom (auch Güner Star genannt) betroffen sein.» Daher sollte ab dem 40. Lebensjahr der Augeninnendruck alle 3 Jahre kontrolliert werden. Je früher ein Glaukom erkannt wird, umso geringer wird der Sehkraftverlust sein. Des Weiteren sollte mindestens einmal pro Jahr ein/e Dentalhygieniker/in aufgesucht werden, auch wenn Sie keinerlei Schmerzen haben, denn eine schlechte Mundhygiene kann ursächlich für zahlreiche Beschwerden, insbesondere Herz-Kreislauferkrankungen, sein. Zumindest aber profitieren Sie von einer Zahnsteinentfernung, die Ihr Lächeln noch verschönert!

SLI/FBR/AllTheContent

Mit Dr. Daniel Berdah, Hausarzt FMH für Erwachsene & Kinder, in Renens.
Der seit mehreren Jahren als Allgemeinmediziner tätige Dr. Berdah erhielt die Auszeichnung «Laureat» an der medizinischen Fakultät René Descartes Paris V. Er veröffentlichte einen Leitfaden für die Behandlung von Kindern, der sich an Allgemeinmediziner richtet. Er hat sich im Kanton Waadt, in Renens, niedergelassen (www.medecin-lausanne.com).

 

 

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