Burnout-Syndrom oder Burn-Out, Karōshi, Erschöpfung am Arbeitsplatz. Hinter diesen Begriffen verbirgt sich eine Erkrankung, die als sehr gefährliches psychosoziales Berufsrisiko klassifiziert ist. Das Burnout-Syndrom ist eine besondere Form der Depression und nimmt seit einigen Jahren extrem zu.

Studien decken auf, dass weltweit rund 20% der berufstätigen Bevölkerung von diesem Syndrom der Erschöpfung am Arbeitsplatz betroffen ist. Gemäss einem 2016 von Gesundheitsförderung Schweiz veröffentlichten Bericht, ist in unserem Land eine/r von vier Berufstätigen am Arbeitsplatz gestresst und fühlt sich erschöpft. Dieses Phänomen betrifft heute sämtliche Branchen.

Untrügliche Zeichen

Das Burnout-Syndrom kennzeichnet sich durch die Unfähigkeit mit starkem Druck und hohem Stress umzugehen. Auf körperlicher und mentaler Ebene drückt es sich insbesondere durch ein immenses Gefühl der Müdigkeit aus, so als sei der betroffenen Person ihre gesamte Energie ausgesogen worden. «Opfer von Burn-Out sind im Allgemeinen sehr gewissenhaft und sorgfältig, Perfektionisten und in der Seele Unternehmer», erklärt uns Annika Månsson, Gründerin von Happy at Work. «Sie bringen sich sehr stark ein und arbeiten oft so, als sei es ihre eigene Unternehmung.» Diese Personen nehmen keine oder so gut wie keine Ferien und sind quasi rund um die Uhr erreichbar. Hinzu kommen aussagekräftige Zeichen, wie Schlafstörungen und typische somatische Merkmale von Stress: Bauch- oder Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Ängste, eine zunehmende Anzahl von Gelenk- und Muskelschmerzen (ähnlich einem Fieberzustand), Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnisprobleme usw. «Wird zu viel gearbeitet, werden mehr Stunden benötigt, die aber konfus und ineffizient verbracht werden, denn es existiert keinerlei Grenze mehr, keinerlei Sinn», fährt Annika fort. «Erschöpfte Mitarbeitende tun inkohärente, nicht konstruktive Dinge. Sie verlieren bei Meetings die Geduld, werden vergesslich, machen Fehler, obwohl dies ganz und gar nicht ihre Art ist». In sehr ernsten Fällen drückt sich das Syndrom sogar in heftigen Wutanfällen gegenüber dem beruflichen Umfeld, Arbeitsmitteln bzw. Werkzeugen oder sich selbst (Suizid) aus.

Lernen mit Stress umzugehen

Fachleute für die Gesundheit am Arbeitsplatz und dem Kampf gegen psychosoziale Risiken, befürworten einige Techniken im Umgang mit Stress und zur Stressverringerung, um das Auftreten des Burnout-Syndroms zu beschränken, wie Meditation, Entspannung und regelmässige körperliche Betätigung. Dies sind auch die Techniken, welche Annika bei ihren Interventionen aufgreift: «In meinen Workshops binde ich das Konzept des völligen Bewusstseins bzw. Mindfullness mit ein. Einfache Atemübungen ermöglichen es, vor Sitzungen die eigene Mitte zu finden. Ebenfalls gilt es eine Mittagspause zu machen, um mit sich alleine zu sein, was den Geist ausruht.» Im Sinne der Prävention ist der erste Rat, dass wir lernen die ersten Anzeichen von Müdigkeit zu erkennen, um so die aus Übermüdung entstehende Erschöpfung und Überarbeitung zu verhindern. Annika Månsson präzisiert, dass es essenziell ist, sich selbst zu kennen bzw. dies zu erlernen: «Ich arbeite viel an der Self-Awareness (Selbsterfahrung). Es ist ungemein wichtig, auf seine Gefühle, seinen Körper zu hören, die Alarmsignale, die er uns sendet, zu erkennen und zu verstehen.» Schliesslich sollten alle Mitarbeitenden lernen, den Umfang ihrer Arbeit zu begrenzen, um nicht ins Hintertreffen zu geraten, sodass die Arbeit sich stapelt. «Es geht darum eine andere Arbeitsform anzunehmen, zu lernen Grenzen zu setzen, Ressourcen und Fristen zu verhandeln», fügt Annika hinzu. «Lernen NEIN zu sagen.» Die Kommunikation mit den Vorgesetzten ist wirklich einer der Schlüsselfaktoren für das Wohlbefinden am Arbeitsplatz. Sie dient dazu, die zu erledigenden Aufgaben und die Schwierigkeiten dieses Unterfangens zu analysieren und Lösungen zu finden.

Abschalten: manchmal eher schwierig

Die Freizeit sollte in vollen Zügen genossen werden und wir müssen lernen, von beruflichen Problemen abschalten zu können, sobald wir das Büro verlassen… Aber schafft man es heutzutage tatsächlich, seinen Arbeitsplatz hinter sich zu lassen? Wir sind permanent via Smartphone, Tablet oder sonstigen digitalen Tools mit unserer beruflichen Mailbox verbunden, sodass die Grenze zwischen Arbeitszeit und Freizeit oft verschwimmt. Dieser Eindruck, nie wirklich losgelöst zu sein von seiner Arbeit, verstärkt das Stressgefühl und führt unweigerlich zur Überlastung. In Bezug auf den Gemütszustand der Mitarbeitenden, kommt der Unternehmenskultur eine fundamentale Rolle zu. «In grossen Konzernen reicht es heute nicht mehr Mittelmass zu sein, man muss Outstanding (herausragend, aussergewöhnlich) sein», betont Annika. «Dies ist die Bedingung, um auf eine Beförderung hoffen zu können. So arbeiten also alle so viel wie irgend möglich, um zu dieser Kategorie zu zählen. Dabei ist es essenziell, Menschen eine Wahl zu lassen, dass sie von sich aus dieses Gefühl der Ownership (Inhaberschaft) finden.»

Auf der Suche nach Glück

Die Arbeit bzw. das Berufsleben vereinnahmt rund ein Drittel unseres Lebens. Wird diese Tätigkeit zu einer alltäglichen Qual, führt dies unausweichlich zu einer Kündigung oder Entlassung, einer Depression oder schlimmer noch zum Selbstmord. Wer immer sich in einer scheinbar aussichtslosen Situation befindet, muss sich die richtigen Fragen stellen. Vielleicht ist es an der Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen und eine neue Arbeitsstelle zu suchen oder umzuschulen. Falls ein solcher Wechsel gerade nicht angemessen ist, kann er um ein oder zwei Jahre verschoben werden. In dieser Zeit gilt es seinen Gemütszustand zu ändern: Wie kann ich wieder ‘auftanken’ mit positiven Gefühlen? Was mag ich an meiner Arbeit und wie schaffe ich es, mehr davon zu tun? Was gibt mir Energie? Was will ich wirklich? «Für unser Glück sind nur wir ganz alleine verantwortlich», schliesst Annika. (Jeder ist seines Glückes Schmied.) «Wir müssen also wirklich und wahrhaftig an unserem Gemütszustand arbeiten.»

SLI/FBR/AllTheContent

Mit Annika Månsson, Gründerin von Happy at Work
Seit 2005 ist Annika Månsson als Consultant, Coach und Ausbilderin in der Schweiz und im Ausland auf zahlreichen Gebieten tätig: Leadership (Personalführung), interaktive und kulturübergreifende Kommunikation, Zusammenhalt und Leistung im Team, emotionale Intelligenz, Umschulung usw. Happy at Work bietet – sowohl für Unternehmungen als auch für Individuen – Dienstleistungen rund um Coaching & Training an, basierend unter anderem auf der positiven Psychologie und skandinavischen Konzepten, die sich auf den hohen Stellenwert der Zufriedenheit am Arbeitsplatz stützen.

 

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