Im Café Procope in Paris trank Voltaire mehr als 30 Tassen Kaffee am Tag. Eine Art «Abwaschwasser» mit Zucker, das durch Abkochen erzielt wurde und je nach konsumierter Menge dennoch einen stimulierenden wie wohltuenden Effekt hatte. Ist Kaffee ein Anti-Aging-Produkt? Wer weiss! Der Philosoph wurde jedenfalls 84 Jahre alt.

Mehrere Vorteile

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass die in relativ grosser Menge vorhandene Antioxidantien im Kaffee freie Radikale binden, die für den Alterungsprozess verantwortlich sind. Zudem zeigen mehrere Metaanalysen, dass der Kaffeekonsum – bis zu einem gewissen Punkt – das Risiko einer chronischen oder degenerierenden Krankheit verringert, wie beispielsweise Diabetes Typ 2, Parkinson, Alzheimer, Leberzirrhose oder -krebs, Osteoporose oder Gicht. Die im Kaffee enthaltenen Polyphenole wirken in der Synergie prophylaktisch.
Kaffee hat zwar harntreibende Eigenschaften, trägt aber dennoch zum täglichen Flüssigkeitsbedarf von 1-2 Litern pro Tag bei. Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) hat ihn zudem in der schweizerischen Ernährungspyramide als empfohlenes Getränk platziert, allerdings nur, wenn er ungesüsst getrunken wird.

Genuss ohne Verzicht, aber mit Mass

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Der schweizerische Kaffeekonsum liegt mit 6000 Tonnen, also 8,2 kg pro Person und Jahr oder 1300 Tassen direkt hinter Finnland, das den ersten Rang belegt (12 kg Kaffee pro Jahr und Person). Eine Tasse Kaffee (125 ml) enthält ungefähr 60 bis 135 mg Koffein. Alles hängt von der Zubereitung und der Durchflussgeschwindigkeit des Wassers ab: Auch wenn ein Espresso stärker schmeckt, ist er eigentlich «leichter» als ein Filterkaffee.

Trotz der zahlreichen Vorteile, sollte man es nicht übertreiben! Gemäss der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), sollte der Konsum eines Erwachsenen unter 400 mg Koffein pro Tag liegen, damit die Gesundheit nicht beeinträchtigt wird. Schwangere Frauen und junge Mütter sollten ihren Konsum weiter einschränken. Während der Schwangerschaft wird der Koffeinmetabolismus verlangsamt, man spürt den Stoff länger. Da zudem die Leber der Säuglinge noch nicht voll ausgereift ist, benötigt sie länger als ein Erwachsener, bis die Substanz abgebaut ist. Deshalb empfiehlt die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung, dass schwangere und stillende Frauen weniger koffeinhaltige Getränke (Kaffee, Tee, Coca-Cola) trinken, d.h. ein bis zwei Tassen Kaffee oder 4 Tassen Tee pro Tag.

Gute Nacht?

Im Laufe des Tages sammelt sich im Organismus Adenosin, das Müdigkeit und Energieverbrauch des Körpers kontrolliert. Dieser Prozess wird von Koffein blockiert, das ca. fünf Minuten nach der Einnahme von Kaffee im Gehirn ankommt. Dennoch steht fest, dass eine Veranlagung besteht, wie viel oder wenig man Koffein aufnimmt und wie das Gen, das die Wirkung von Adenosin verarbeitet, darauf reagiert. Kurz, es gibt Menschen, die schon nach nur einer Tasse Kaffee auch 17 Stunden später nicht mehr schlafen können, während andere auch nach einem starken Espresso noch gut schlafen.

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Mit Madame Muriel Jaquet, Ernährungsberaterin der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (www.sge.ssn.ch)

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