Hyperkonnektivität, die quasi permanente Vernetzung, ermöglicht es uns, schneller, effizienter zu sein. Sie ermöglicht unlimitierten Zugang zu Informationen und eine gewisse Ubiquität (Allgegenwart). Ständig online zu sein ist eine Sucht und damit auch Quelle neuer Symptome: Konzentrationsschwierigkeiten, Stress, Gedächtnisverlust. Vielleicht ist es an der Zeit offline zu gehen.

Neurowissenschaftler haben in der marokkanischen Wüste 35 Geschäftsmänner, deren Alltag von Hyperkonnektivität geprägt ist, beobachtet. Initiiert wurde die Studie 2015 von Kate Unsworth, Gründerin und CEO von VINAYA, die dazu ermutigt, den Gebrauch der neuen Technologien im Namen des Wohlbefindens zu beschränken. «Sich vom Netzwerk und Geräten abtrennen und neu mit sich selbst, den Anderen und der Natur verbinden», lautet die Devise. Vier Tage lang waren die 35 Versuchspersonen Objekt einer wissenschaftlichen Beobachtung. Den ersten Tag verbrachten sie im Hotel, mit all ihren Geräten online. So konnte von den Forschern das Anfangsverhalten analysiert werden, um anschliessend die Entwicklung bzw. Veränderungen feststellen zu können.

«Eine erschütternde Lebenserfahrung»

Gemäss VINAYA ist der Versuch ein Erfolg: den Versuchspersonen geht es besser. «Es mag übertrieben erscheinen, aber viele unserer Gäste sagten, dass es eine erschütternde, aufwühlende Lebenserfahrung war», freut sich Kate Unsworth. Diese Kur hat ihnen die Freude an der Menschlichkeit zurückgegeben. Abgeschnitten von der digitalen Welt, nehmen sie sich die Zeit einander zu beobachten. Ihre Gespräche sind intensiver, sie haben Abstand von ihrem Alltag und interessieren sich mehr für ihre Umgebung. Ihr Schlaf hat an Qualität gewonnen und ihre Haltung ist aufrechter. Im Grunde genommen haben diese Ergebnisse nicht Überraschendes.

Hyperkonnektivität mehr und mehr unter Beobachtung

Studien über die Auswirkungen der digitalen Welt auf die Gesundheit nehmen stetig zu, sowohl in Anzahl als auch in Umfang. Neben der Bestätigung einer flagranten Abhängigkeit, zeigen diese Studien die Tendenz, dass Benutzer, die soziale Netzwerke exzessiv nutzen, einen Hang zum Narzissmus entwickeln: «Junge Leute können die Wichtigkeit ihrer eigenen Meinungen überschätzen», unterstreichen die Forscher der Universität Michigan. Sein Smartphone während der Nacht eingeschaltet zu lassen, schadet der Qualität des Schlafes, denn es verführt den Nutzer dazu, seine Nachrichten abzurufen – ein Verhalten, das einen Angstfaktor darstellt. Britischen Forschern zufolge, verursacht die Omnipräsenz der Technologie bei Kindern Verhaltensweisen, die nicht weit entfernt vom «Autismus» sind.

Permanent in Alarmbereitschaft, ununterbrochen gefordert, ist es vielleicht an der Zeit, nicht alle digitalen Geräte abzuschaffen, aber sie besser zu nutzen. Gemäss Catherine Lejealle, Soziologin und Autorin des Buches «J’arrête d’être hyperconnecté» (Ed. Eyrolles), sind 21 Tage für die digitale Desintoxikation und die Programmierung «einer positiven Alltagsroutine» notwendig. Dies impliziert insbesondere die Analyse des eigenen täglichen Online-Verhaltens, das Überdenken der zwischenmenschlichen Beziehungen und das Festlegen bestimmter Grenzen.

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