© James Pritchett – Abeille butine

Die Augen brennen, die Nase läuft und geniest wird auch … Wer sich damit auskennt, weiss sofort Bescheid: Die Allergie ist auf dem Anmarsch und bringt eine ganze Reihe unangenehmer Symptome mit sich. Um die Allergie in den Griff zu bekommen, wenden sich manche hilfesuchend der Hyposensibilisierung zu. Erklärungen.

Unter einer Allergie versteht man eine Reaktion des Immunsystems gegen eine Substanz, die nicht gefährlich ist. Dies führt zur Aktivierung der Zellen und dem Auftreten von Symptomen: Asthmaanfälle, Nasensekretionen, Rötungen oder auch Juckreiz. Um Abhilfe zu schaffen, setzen zahlreiche Patienten verstärkt auf die Hyposensibilisierung, eine Heilbehandlung, die der Ursache der allergischen Störungen den Kampf ansagt. Doch Vorsicht ist geboten! Diese Lösung kann nur bei bestimmten Allergien eingesetzt werden. Dazu gehören: Pollenallergien, insbesondere Gräser- und Baumpollenallergien, Hausstaubmilben- und Tierhaarallergien.

Und so funktioniert’s!
Die Hyposensibilisierung hilft dem Organismus, toleranter auf ein Allergen zu reagieren und zwar mithilfe einer schrittweisen Injektion eben dieses Allergens in gereinigter Form. Wenn die maximale Dosis erreicht wurde, reagiert der Organismus nicht mehr negativ auf einen Kontakt mit diesem Allergen und die Symptome nehmen ab oder verschwinden sogar ganz. Es gibt zwei Therapieformen:
– Die subkutane Injektion: Hierzu gehört eine Steigerungsphase von drei Monaten, in der eine Injektion pro Woche erfolgt, und anschliessend eine Injektion pro Monat bis zum Ende der Behandlung. Rund drei Jahre sind notwendig, um eine optimale Hyposensibilisierung zu erreichen. Wichtig: Wenn die Injektionen nicht regelmässig durchgeführt werden, sinken die Chancen auf Besserung. Regelmässigkeit ist also ein entscheidender Punkt, der in den individuellen Tagesablauf eingeplant werden muss, bevor mit der Behandlung begonnen!
– Die sublinguale Therapie: Diese Behandlung erfolgt während eines kurzen Zeitraums in einem Krankenhaus und wird dann zu Hause mit der Einnahme von Tabletten fortgeführt, die man unter der Zunge zergehen lässt. Das Ziel? Dem Patienten in Form von Tabletten die optimale Allergendosis verabreichen, um ihn zu desensibilisieren. Zwar ist heute erwiesen, dass diese Methode ebenso wirksam ist wie die subkutane Therapie, allerdings eignet sie sich nicht für alle Allergien. Bienen- und Wespenstichallergiker seien gewarnt, sie kommen um die Injektionsnadel nicht herum …

An wen richtet sich die Hyposensibilisierung?
Von dieser Art der Behandlung profitieren Menschen, die unter Pollenallergien, Allergien gegen das Gift von Hautflüglern (Wespen, Bienen) oder auch Hausstaubmilbenallergien leiden. Auch Menschen, die empfindlich auf Katzen- und Hundehaare reagieren, können eine solche Behandlung durchführen. Sinnvoll ist die Therapie vor allem für Menschen, die dauerhaft unter Beschwerden leiden und bei denen das Risiko der Verschlimmerung hoch ist (z. B. Asthma).
Kinder können ab dem Alter von 5 Jahren einer Hyposensibilisierung unterzogen werden. In diesem Alter tauchen übrigens die ersten Symptome auf.
Bevor mit einer Hyposensibilisierungsbehandlung begonnen werden kann, muss zunächst der Allergologe aufgesucht werden, um einen Gesundheitscheck durchzuführen und über die beste Durchführungstechnik zu sprechen. Ferner ist es auch wichtig, alle erschwerenden Faktoren zu kennen und zu berücksichtigen, wie beispielsweise Umweltverschmutzung oder Tabakkonsum.
Für Felicitas Langner-Viviani, stellvertretende Chefärztin der Abteilung für Immunologie und Allergie-IAL am Centre Hospitalier Universitaire Vaudois (CHUV), sind die Vorgaben klar: «Wir bevorzugen Nichtraucher und gewissenhafte Menschen. Während der drei Monate dauernden Steigerungsphase muss der Patient zu jedem Termin erscheinen. Tut er dies nicht, muss man manchmal wieder ganz von vorne anfangen!»

Gegenanzeigen und Nebenwirkungen
Kinder unter 5 Jahren werden von Hyposensibilisierungsbehandlungen ausgeschlossen. Das gleiche gilt für Menschen mit Krebs (Menschen, die in der Vergangenheit gegen Krebs behandelt wurden, können jedoch einer Hyposensibilisierungsbehandlung unterzogen werden). Schwangeren Frauen wird ebenfalls stark davon abgeraten, mit einer Behandlung zu beginnen, es ist aber durchaus möglich, während der Schwangerschaft die sogenannte „Erhaltungsphase“ fortzusetzen.
Was die Nebenwirkungen anbelangt, so ist es wichtig, auf mögliche lokale Reaktionen zu achten, die an den Injektionsstellen auftreten können. Oftmals wird den Patienten empfohlen, nach einer Injektion bis zu 30 Minuten abzuwarten, um sicher zu gehen, dass der Organismus nicht zu heftig reagiert. Aber keine Angst! Diese Reaktionen sind eher selten, es geht hier mehr um eine Vorsichtsmassnahme.
Dagegen birgt die sublinguale Behandlung weniger Risiken und ist besser verträglich. Nur in sehr seltenen Fällen können gastrointestinale Symptome auftreten.

Spürbare positive Auswirkungen ab der ersten Pollensaison
Es ist ganz einfach, die ersten günstigen Auswirkungen der Behandlung festzustellen! Denn sobald die Symptome abnehmen, weiss man, dass die Hyposensibilisierung angeschlagen hat. Die Patienten fühlen sich weniger beeinträchtigt und empfinden seltener das Bedürfnis, nach Medikamenten zu greifen, um ihre allergischen Reaktionen zu lindern. In einigen Fällen lassen sich Ergebnisse bereits in der ersten Pollensaison feststellen. Die Patienten können wieder zu einem friedvolleren Leben zurückkehren und den Frühling gebührend geniessen … Aber Vorsicht: Wie bei jeder anderen Art der Behandlung auch, tritt nicht in jedem Fall eine vollständige Heilung ein. Bei manchen Menschen funktioniert die Behandlung nicht. «Natürlich besteht ein Rückfallrisiko», erläutert Frau Langner-Viviani. «In der Regel kann man davon ausgehen, dass die Wirkung der Hyposensibilisierung zwischen 7 und 12 Jahren anhält. Das hängt teilweise auch vom Sensibilisierungsprofil des einzelnen Patienten ab.»

Tendenzielle Verschiebung der Allergien
Aufgrund des Klimawandels wird die alte Ordnung der Jahreszeiten auf den Kopf gestellt. Manche Bäume blühen früher und Allergiker können Symptome zu unerwarteten Zeiten im Jahr verspüren. Felicitas Langner-Viviani bestätigt: «Aufgrund des Klimawandels konnten Allergien vom Typ «Weihnachtsallergie» beobachtet werden: In diesem Jahr beispielsweise haben die Haselnussbäume früher geblüht und der Pollenflug hat bereits im Dezember eingesetzt!» Und schliesslich versetzt der Anstieg der Temperaturen längst nicht alle Allergiker in Begeisterung: Wenn die Temperaturen ansteigen, steigt auch die Menge an Pollen an!

# Mit Felicitas Langner-Viviani, stellvertretende Chefärztin am Centre Hospitalier Universitaire Vaudois (CHUV)
Nach einer Ausbildung zur Internistin tritt Felicitas Langner-Viviani im Juni 2013 in das Team von Professor François Spertini am CHUV ein, wo sie eine Ausbildung für Immunologie und Allergologie abschliesst. Sie arbeitet zur Zeit als stellvertretende Chefärztin in der Abteilung für Immunologie. Ihre hauptsächlich klinische Tätigkeit findet bei der immunologischen Sprechstunde an der PMU-CHUV in Lausanne und krankenhausintern statt.

# Häufig auftretende Allergien auf Schweizer Boden
Wie in anderen Ländern, in denen ein mediterranes Klima herrscht, treten auch in der Schweiz zahlreiche Allergien auf, die je nach Jahreszeit unterschiedlich ausgeprägt sind. Das Klima beeinflusst den Pflanzenwuchs und dementsprechend die Verbreitung der Pollen. Gräser, Birke, Haselnuss, Erle, Esche und Beifuß sind die sechs Hauptverantwortlichen für die Auslösung von Allergien bei sensiblen Menschen. Mit der Klimaerwärmung beginnt allerdings eine Verschiebung der Pollensaison. So konnte man beobachten, dass bestimmte Bäume ihren Pollen ca. 2 bis 3 Wochen früher als vor 20 Jahren erzeugen!

© Viktor Hanacek – Abeille et pollen

Paul Talbot – Graminé

© Christine Coley – Pissenlit

DR – Felicitas Langner-Viviani

SLI/SGUi/AllTheContent News Agency

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