Copyright: AllTheContent / Unsplash - L'abus d'alcool demeure l'une des principales causes de mort prématurée.

Copyright: AllTheContent / Unsplash

In kleinen Mengen ist Alkohol ein Genussmittel, das im Freunden- und Familienkreis zu besonderen Anlässen getrunken werden kann und das ist auch in Ordnung. Besonders im Sommer gibt es zahlreiche Gelegenheiten für entspannende Momente: ein Bierchen mit Freunden auf der Terrasse oder ein Barbecue mit einem kühlen Rosé gehören einfach dazu und sind an sonnigen Tagen bei allen beliebt.

Sobald jedoch die Grenzen eines vernünftigen Konsums überschritten werden, entfalten alkoholische Getränke ihre ausgesprochen schädliche Wirkung, die bisweilen sogar tragische Folgen haben kann. In der Schweiz wie in zahlreichen anderen Ländern ist Alkoholmissbrauch einer der häufigsten Gründe für einen vorzeitigen Tod. Nach Angaben von Suchtmonitoring Schweiz (Untersuchung 2015) nehmen 86% der Schweizer Bevölkerung im Alter ab 15 Jahren Alkohol zu sich. Fast 11%, hauptsächlich Männer, nehmen jeden Tag Alkohol zu sich. Bei 4,2% ist ein chronischer Risikokonsum zu verzeichnen und 11% geben an, sich mindestens einmal pro Monat zu betrinken. Gewohnheiten, die sich als fatal erweisen können…

Wenn Leber und Gehirn Schäden davontragen

Alkohol ist eine psychoaktive Substanz, die direkt auf das Gehirn einwirkt. In hoher Dosierung kann sie sogar eine Umstrukturierung der neuronalen Verbindungen hervorrufen. Aus diesem Grund geht ihr Genuss mit vielfältigen Risiken für die Gesundheit einher. Ganz zu schweigen davon, dass Drogen, Stress oder Müdigkeit ihre Auswirkungen noch weiter erhöhen. Alkohol kann so dramatische Konsequenzen wie Verkehrsunfälle, kardiovaskuläre und neurologische Komplikationen sowie Leberzirrhosen haben. Bei unmässigem Genuss ist die Leber das Organ, das am schlimmsten geschädigt wird und übertriebener Alkoholgenuss kann verschiedene Erkrankungen der Leber wie Steatose, Alkohol-Hepatitis und Zirrhose nach sich ziehen. Über die Hälfte der alkoholkranken Menschen haben außerdem kognitive Störungen (Gedächtnislücken, unzureichende Kontrolle über die Bewegungen usw.), die mit der Zeit unumkehrbar werden. Und zu guter Letzt ist Alkoholmissbrauch ein nicht zu vernachlässigender Risikofaktor für verschiedene Krebsarten (Speiseröhren-, Mundhöhlen-, Leber-, Brust-, Magen-Darm-Krebs). 2011 starben fast 1600 Schweizer Bürger an den Folgen von übermässigem Alkoholgenuss (Quelle: Sucht Schweiz).

Alle verschieden, alle betroffen

Alkoholabhängigkeit ist eine Krankheit, die jeden ereilen kann, zu jedem Zeitpunkt des Lebens. „Es gibt kein typisches Profil“ erläutert die Sprecherin der Stiftung Sucht Schweiz Corine Kibora. „Es können jedoch Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht und genetische Ausstattung ausgemacht werden. Mit dem beruflichen Umfeld verbundener Stress oder allgemeiner Schwierigkeiten beim Umgang mit seinen Gefühlen sind Gründe, die die Menschen dazu bringen können, sich in den Alkohol zu flüchten.” Wenn es um Alkoholgenuss geht, herrscht keine Gleichheit zwischen Männern und Frauen: der Körper von Frauen enthält mehr Wasser als der von Männern und es fällt ihm deshalb schwerer, den Alkohol im Organismus zu verdünnen. Ausserdem können weitere genetische Faktoren bei der Abhängigkeit eine Rolle spielen: gewisse Rezeptoren sowie die für den Abbau des Alkohols verantwortlichen Enzyme unterscheiden sich von einer Person zur anderen. „Das Zusammentreffen zwischen Alkohol, der Art und Weise, wie er zu sich genommen wird, einem Individuum mit seinen speziellen Eigenschaften und einem Umfeld entscheiden darüber, ob sich eine Abhängigkeit ergibt oder nicht“ fasst Corine Kibora zusammen.

Anhaltspunkte für den Genuss

Bei 21,5% der über 15 Jahre alten Schweizer ist ein sogenannter „Risikokonsum“ von Alkohol (4 Glas oder mehr für Männer, 2 Glas oder mehr für Frauen) zu verzeichnen, der chronisch sein oder phasenweise auftreten kann (Quelle: Suchtmonitoring Schweiz). Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass ein „Standard“-Glas zwischen 10 und 12 g reinen Alkohol enthält, was 3 cl starken alkoholischen Getränken, 10 cl Wein oder 30 cl Bier entspricht. Aus dem statistischen Bericht geht ausserdem hervor, dass der tägliche Alkoholkonsum in der italienischen Schweiz (21,5% im Jahr 2015) weit stärker verbreitet ist als in der Deutschschweiz (9%) und der französischen Schweiz (14,1%).
Darüber hinaus nehmen laut Bundesamt für Statistik wesentlich mehr Männer als Frauen täglich Alkohol zu sich (2012: 17% gegen 9%). Seit 1992 ist jedoch ein Rückgang des täglichen Alkoholgenusses zu beobachten: bei den Männern ging der Prozentsatz von 30% auf 17% zurück, bei den Frauen von 12% auf 9%.
Des Weiteren geht aus der Schweizerischen Gesundheitsbefragung (SGB) des Jahres 2012 hervor, dass sich der Prozentsatz der Personen, die jeden Tag Alkohol zu sich nehmen, mit steigendem Alter erhöht (42% der Männer im Alter von 75 Jahren und mehr, 19% der Frauen im Alter von 75 Jahren und mehr). Das Leben als Rentner, Einsamkeit und Langeweile können zu einer gewissen Art von Depression führen, welche die Menschen dazu bringt, mehr als gewohnt zu trinken. Dies ist umso beunruhigender, als der Abbau von Alkohol für den Organismus mit zunehmendem Alter immer schwieriger wird. „Ab 50, 60 nimmt der Wasseranteil im Organismus ab, was zur Folge hat, dass der aufgenommene Alkohol weniger verdünnt wird und sich seine Wirkung verstärkt“ erläutert unsere Expertin. „Die Senioren sollten deshalb weniger Alkohol zu sich nehmen, um die Risiken zu begrenzen.“

Unsere Teenager und der Alkohol

Bei den Heranwachsenden sind eher Episoden „zeitweiser Betrunkenheit“ zu beobachten, worunter der Genuss von 6 oder mehr Glas zu einem Anlass verstanden wird; fast 13% der Mädchen und 16% der Jungen über 15 waren mindestens zwei Mal in ihrem Leben betrunken (Zahlen aus der Untersuchung HBSC 2014). Im Allgemeinen trinken die Mädchen weniger als die Jungen. Das alkoholische Lieblingsgetränk der Heranwachsenden ist Bier. Bei der SGB 2012 gaben 7,5% der Jungen zwischen 15 und 24 an, sich mindestens ein Mal pro Woche zu betrinken (gegen 1,5% der gleichaltrigen Mädchen). In diesem Jahr wurden fast 300 Heranwachsende zwischen 10 und 23 mit der Diagnose Alkoholabhängigkeit ins Krankenhaus eingewiesen.
Der Trend geht zum „Binge Drinking“. Dieser Begriff, der sich mit „frenetisch trinken“ übersetzen lässt, beschreibt eine Praxis, bei der in einem begrenzten Zeitraum eine grosse Menge Alkohol zu sich genommen wird, um möglichst schnell den Zustand des Rausches zu erreichen. Diese Praxis, die desaströse Auswirkungen auf den Organismus hat, ist wegen ihrer euphorisierenden und enthemmenden Wirkung bei den abendlichen Veranstaltungen der Heranwachsenden ausgesprochen verbreitet. Sie hat jedoch schlimme Konsequenzen, und zwar nicht nur kurzfristig (Unfälle, Gewalttaten, nicht erwünschte sexuelle Handlungen), sondern auch auf lange Frist: Nachlassen des Lernvermögens, Gedächtnisstörungen usw. „Das menschliche Gehirn befindet sich bis etwa zum Alter von 23 Jahren in der Entwicklung. Deshalb ist es im Teenageralter den schädlichen Auswirkungen von Alkohol gegenüber besonders empfindlich und kann in seiner Entwicklung beeinträchtigt werden“ unterstreicht Corine Kibora. Übermässiger Alkoholgenuss hat einen direkten Einfluss auf den präfontalen Cortex, den Sitz der sogenannten höheren kognitiven Funktionen wie die Fähigkeit zum Überlegen, zur Antizipation, zur Sprache usw. Außerdem ist die Leber bei den Heranwachsenden noch nicht ausgereift: Abbau und Verdauung von Alkohol sind für sie schwierig.
Aus ebendiesen Gründen wird schwangeren Frauen formell von Alkoholgenuss abgeraten: dieser gelangt direkt in die Plazenta und kann dort schwerwiegende Auswirkungen auf die Entwicklung des Fötus haben.

Abhängig oder nicht?

Es ist schwierig, die Anzahl der unter einer Alkoholabhängigkeit leidenden Personen genau einzuschätzen; laut Sucht Schweiz liegt sie wahrscheinlich bei etwa 250 000. Ab welchem Zeitpunkt muss eine Person als abhängig bezeichnet werden? „Im Zweifelsfall kann man versuchen, eine Zeitlang gar keinen Alkohol mehr zu trinken, um festzustellen, welche Auswirkungen dies auf Psyche und Körper hat“ rät die Spezialistin. Der Umstand, immer mehr Zeit mit der Aufnahme von Alkohol zu verbringen und dabei die sonstigen Aktivitäten zu vernachlässigen, weist auf eine mögliche Abhängigkeit hin.“ Die Weltgesundheitsorganisation arbeitete eine sechs Kriterien umfassende Liste aus, welche die Erstellung einer Diagnose erleichtert. Wenn im Laufe eines Jahres drei oder mehr dieser Kriterien erfüllt werden, betrachtet man die betroffene Person als alkoholabhängig:

  1. Der übermächtige Wunsch, Alkohol zu konsumieren
  2. Die Schwierigkeit, den Konsum zu kontrollieren
  3. Die Weiterführung des Konsums trotz schädlicher Auswirkungen
  4. Ein langsam Einsetzen von Interesselosigkeit an anderen Aktivitäten und Verpflichtungen zugunsten des Alkoholkonsums
  5. Eine erhöhte Alkoholverträglichkeit
  6. Körperliche Entzugserscheinungen

Die Alkoholabhängigkeit geht meist mit einem Gefühl von Scham einher und es ist für die Person, die unter ihr leidet, schwierig, sie einzugestehen. Aus diesem Grunde spielen Familie und Freunde eine wichtige Rolle, wie Corine Kibora ausführt: „Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen und Gedächtnislücken, ja sogar Lügen können Symptome für eine Abhängigkeit sein und müssen vom näheren Umfeld als solche betrachtet werden.” Zögern Sie nicht, das Gespräch mit der Person, die sie als abhängig betrachten, zu suchen, sie zu unterstützen und sie zu ermuntern, sich mit den zuständigen Gesundheitsdiensten und –fachleuten in Verbindung zu setzen, die ihr Hilfe bieten können.

SLI/FBR/AllTheContent

Mit der Sprecherin der Stiftung Sucht Schweiz Corine Kibora
Corine Kibora ist sich seit über 15 Jahren im Dienste der Vorbeugung gegen Suchtgefahren tätig. Sie verfügt über ein Lizenziat in Literaturwissenschaft sowie über einen Abschluss in Management von Projekten zur Suchtprävention, Kommunikation und motivierender Gesprächsführung (Orientierung der betroffenen Personen und ihres Umfelds). Sie ist außerdem Lehrbeauftragte und Sprecherin der Stiftung Sucht Schweiz, deren Budget zur Hälfte von privaten Spenderinnen und Spendern aufgebracht wird.

 

Auf der Strasse…

Schon kleine Mengen Alkohol genügen, um die Reflexe zu verlangsamen, was eine der häufigsten Unfallursachen des Landes ist: laut der Organisation TCS sind 17% aller Unfälle mit Toten oder Schwerverletzten auf Alkoholgenuss zurückzuführen. Wie in den meisten anderen europäischen Ländern beträgt der maximal zulässige Blutalkoholwert am Steuer in der Schweiz 0,5‰ (was 0,25 mg Alkohol pro Liter ausgeatmeter Luft entspricht). Für Neulenker gilt während der drei Jahre Probezeit ihres Führerausweises auf Probe die Null-Prozent-Regel. Berufsfahrer wie Lastwagen- und Busfahrer sowie Fahrschullehrer müssen am Steuer ebenfalls stets absolut nüchtern sein.
Ein Glas Bier (ungefähr 30 cl) lässt den Alkoholspiegel um 0,2 bis 0,5‰ ansteigen (je nach Korpulenz und Metabolismus). „Der Anstieg des Alkoholspiegels im Blut kann durch Essen verlangsamt werden“ erklärt die Sprecherin der Stiftung Sucht Schweiz Corine Kibora. „Sein Abbau jedoch kann absolut nicht beschleunigt werden (es werden etwa 0,015‰ pro Stunde abgebaut).“
Die Fahrtüchtigkeit ist ab 0,2‰ beeinträchtigt: die Aufmerksamkeit sowie die Seh- und Hörschärfe nehmen ab und die Reaktionszeit verlängert sich. Bei weiterem Alkoholkonsum kommt es dann zu Gleichgewichtsstörungen, Konzentrationsstörungen, einer Neigung zu unnötig gefährlichen Manövern, Orientierungsschwäche und sogar Bewusstseinsstörungen. Eine ermutigende Tatsache: laut dem Bundesamt für Strassen werden weniger Führerausweise wegen Alkoholmissbrauchs entzogen. 2016 waren 15 000 Fälle zu verzeichnen, während es im Vorjahr 17 000 waren.

Laisser un commentaire

Votre adresse de messagerie ne sera pas publiée. Les champs obligatoires sont indiqués avec *