Mit dem Rauchen aufzuhören, könnte DIE Entschliessung des Jahres 2016 sein. Doch wie geht das? Von der Begleitung durch Tabakpräventionsstellen über die Akupunktur bis hin zur Hypnose: Tour d’Horizon der verschiedenen Methoden, um Ihre Erfolgschancen zu steigern.

Schon letztes Jahr haben Sie versucht, mit dem Rauchen aufzuhören. Stellen Sie sich einfach vor, dass das kommende Jahr das richtige ist. Unsere Ratschläge und Ihr eiserner Wille werden Sie zum Erfolg führen. Die Methoden, die bei der Tabakentwöhnung helfen, sind mannigfaltig: klassisch mit einer Betreuung in einem spezialisierten Zentrum, einer Einnahme von Medikamenten und Nikotinersatzpräparaten, oder alternativ mit Akupunktur oder Hypnose. Und hier das schlüsselfertige Erfolgsrezept, das Ihnen hilft, «Nein» zur Zigarette zu sagen! Ein für alle Mal diese schlechte Angewohnheit abzulehnen, die Ihrer Gesundheit und der Ihrer Mitmenschen schadet, die Ihren Teint fahl aussehen und Sie vorzeitig altern lässt. Laut Stop-tabac.ch, der Referenz-Website der Schweiz, enthält Tabakrauch mindestens 4000 verschiedene chemische Bestandteile, die meisten in Form von Gas. Wenig ermutigend, in der Tat! Also denn, es ist beschlossene Sache, 2016 wird mit dem Rauchen aufgehört. Und so gehts.

Fachliche Unterstützung in Anspruch nehmen

© Ekaterina Aristova/Flickr.com

Das Institut CIPRET-Genf existiert seit rund 25 Jahren. Genf war diesbezüglich Vorreiter und heute ist dieses Konzept auch in verschiedenen anderen Kantonen in der Schweiz verbreitet. «Die Präventionsstelle bietet einen Bereitschaftsdienst für eine individuelle Beratung und Betreuung von Personen an, die mit dem Rauchen aufhören möchten», erklärt die stellvertretende Direktorin Corinne Wahl. Das CIPRET bietet diesen kostenlosen Dienst jeden Dienstag von 12.30 bis 14.00 Uhr an ausser in den Schulferien. «Die angebotene Hilfe ist professioneller Art und Methode sowie Ratschläge werden wissenschaftlich bestätigt. Die Hilfe ist informativ und therapeutisch zugleich», präzisiert die Tabakologin. Es geht darum, die Bedürfnisse der Teilnehmer zu sondieren. «Raucher wollen nicht alle aus den gleichen Gründen aufhören: Die einen hören wegen gesundheitlicher Probleme auf, die anderen, um ihren Mitmenschen eine Freude zu machen», führt Corinne Wahl aus. «Man muss sich ihre eigenen Motivationen zunutze machen.» Dank ihrer speziellen Ausbildung kann Corinne Wahl ermitteln, ob die Person, die mit dem Rauchen aufhören möchte, individuell bei einem Arzt betreut werden sollte. «Die Tabakentwöhnung kann Auswirkungen auf andere aktuelle therapeutische Behandlungen haben und es kann notwendig sein, die Dosierungen anzupassen», betont sie. So müssen Personen mit psychischen Problemen wie Depressionen beispielsweise genau beobachtet werden, weshalb das Zentrum für Tabakprävention bestimmte Ärzte in Genf empfiehlt, die dafür ausgebildet sind. Für Corinne Wahl ist die medikamentöse Unterstützung oftmals bei der Entwöhnung notwendig je nachdem, wie hoch die Tabakabhängigkeit des Einzelnen ist. Ein Standpunkt, der von den wissenschaftlichen Studien untermauert wird: Behandlungen mit Bupropion (Zyban) oder Vareniclin (Champix), ergänzt durch Nikotinpflanzer, verdoppeln die Aussichten auf Erfolg. Corinne Wahl ruft in Erinnerung, dass «die Besuche der Tabakentwöhnungsexperten zu Beginn der Entwöhnung je nach den individuellen Bedürfnissen häufiger erfolgen, und zwar in der Regel ein Mal pro Woche in den ersten drei Wochen der Entwöhnungskur».

Die elektronische Zigarette, ein probates Mittel?
Das neue Gesetz, das der Bundesrat erst kürzlich dem Parlament vorgeschlagen hat, sollte den Verkauf von Nikotin für die elektronische Zigarette in der Schweiz gestatten. Wenngleich Vorsicht hinsichtlich ihrer genauen Wirkung geboten ist, wäre die elektronische Zigarette eine wirksame Hilfe bei der Tabakentwöhnung. Laut Stop-tabac.ch hat eine kürzlich veröffentlichte Studie gezeigt, dass sie mindestens eine vergleichbare Wirkung wie Nikotinpflaster hat und eine höhere Wirkung, wenn es um die Verringerung des Tabakkonsums geht. Über die Hälfte der Personen, die die E-Zigarette getestet haben, konnten ihren Verbrauch halbieren, während nur 41 % der Personen, die das Nikotinpflaster verwendeten, zu diesem Ergebnis gelangen konnten. Andere Daten, die noch bestätigt werden müssen, weisen darauf hin, dass die E-Zigarette den Anwendern dabei hilft, ihren Verbrauch zu senken oder sogar mit dem Rauchen aufzuhören. Ein Drittel der 222 Teilnehmer einer von Stop-tabac.ch durchgeführten Online-Studie haben sich 6 Monate nach der ersten Verwendung der E-Zigarette das Rauchen abgewöhnt und zwei Drittel haben ihren Konsum eingeschränkt.

Nadeln, die den Organismus wieder ins Gleichgewicht bringen

© Frau Heimlich/Flickr.com

Die Akupunktur ist eine traditionelle chinesische Wissenschaft. Mithilfe von Mikronadeln, die an bestimmten Stellen des Körpers gesetzt werden, kann das Gleichgewicht der Energien wieder hergestellt werden. «Um mit dem Rauchen aufzuhören, empfehle ich eine 3- bis 4-wöchige «Step-down»-Behandlung», stellt die Ärztin Danielle Anthonioz-Bornet fest, die sich auf die traditionelle chinesische Medizin spezialisiert hat. «Ich wirke auf das Nervensystem ein, um zu beruhigen und zu entspannen.» Die Fachärztin erklärt, dass sie ebenfalls auf den Willen und den Widerwillen des Patienten einwirkt. Die Nadeln mit rund einem Viertel Millimeter Durchmesser werden im Gesicht und auf den Beinen gesetzt für eine praktisch schmerzfreie Behandlung. «In drei bis vier Sitzungen hört man mit dem Rauchen auf», führt Danielle Anthonioz-Bornet weiter aus. «Je nach Höhe des Rückfallrisikos ist es möglich, noch einige weitere Sitzungen durchzuführen, um Rückfälle zu verhindern.» Die von der Spezialistin für chinesische Medizin empfohlene Methode ist erstaunlich. Sie fordert den Patienten in den ersten Wochen der Behandlung zu genauen Uhrzeiten zum Rauchen auf. «Ich habe festgestellt, dass die allmähliche Entwöhnung langfristig gesehen zu besseren Ergebnissen führt», erläutert Anthonioz-Bornet. Für starke Raucher kann es psychologisch erträglicher sein, schrittweise mit dem Rauchen aufzuhören. Die Ärztin schätzt die Erfolgschancen ihrer Methode mit 80 % ein. Sie betont, «dass Wille und Motivation des Patienten unabdingbar sind».

Hypnose, um die Psyche zu stärken

Hypnose kann als ein veränderter Bewusstseinszustand bezeichnet werden. «Es geht darum, unsere Wahrnehmungen umzudeuten, um ihnen ein anderes Gewicht, eine andere Bedeutung zu geben», erklärt der Arzt Alain Forster. «Durch Hypnose ist die Harmonisierung dessen möglich, was in unserem Körper und in unserem Kopf passiert». Im Fall von Tabak besteht eine «Verstimmung», so der Arzt. Der Raucher – auch wenn er eine gewisse Befriedigung beim Rauchen empfindet, lässt die Tatsache ausser Acht, dass die Zigarette Gift für seinen Körper ist. «Es geht darum, die Verbindung zwischen Körper und Geist wieder herzustellen, damit sie als eine Einheit und nicht als zwei getrennte Einheiten funktionieren», erläutert der Experte. Sein Programm erstreckt sich auf drei Sitzungen. Die erste Sitzung dient der Kontaktaufnahme. Der Arzt versucht, die Art der Beziehung zu begreifen, die der Patient mit dem Tabak unterhält, der Bewältigung von Stress und Langeweile oder dem Bedürfnis nach Geselligkeit. Dann bespricht er detailliert mit dem Raucher die Nachteile des Rauchens für seine eigene Gesundheit und die seiner Mitmenschen. In der zweiten Sitzung fordert Alain Forster den Raucher mit einfachen Gesten zur Selbsthypnose auf. «Es geht darum, seine eigenen Kapazitäten und Ressourcen zu mobilisieren», erklärt er. «Das hat nichts mit Zauberei zu tun!» In der dritten Sitzung fasst der Arzt das Gesagte und Getane zusammen. Dank der Selbsthypnose kann der Raucher jedes Mal, wenn er Lust auf eine Zigarette verspürt, spontan die Verbindung zwischen seinem Körper und seinem Geist herstellen.

Es gibt zahlreiche andere Möglichkeiten – insbesondere Bücher, kognitive –, um seine Zigarette ein für alle Mal auszudrücken. Aber es bedarf eines starken Willens, Wunder haben im Land des Tabaks noch nie existiert. Allen denjenigen, die 2016 zu neuen rauchfreien Ufern aufbrechen möchten, wünschen wir viel Erfolg!

SDR/MJU/AllTheContent News Agency

© cipret.ch – Corinne Wahl

Mit der diplomierten Tabakologin Corinne Wahl, stellvertretende Direktorin am Informationszentrum für Tabakprävention, CIPRET in Genf
Corinne Wahl ist diplomierte Tabakologin. Nach einigen Jahren am Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Genf ist sie 2003 ins Informationszentrum für Tabakprävention in Genf (CIPRET) eingetreten, das vom Kanton Genf Subventionen erhält. Sie hat heute die Stelle der stellvertretenden Direktorin inne.

© Sinomedica – Danielle Anthonioz-Bornet

Mit Doktor Danielle Anthonioz-Bornet, FMH-Allgemeinmedizinerin, Fachärztin für traditionelle chinesische Medizin im Sinomedica-Zentrum
Die FMH-Ärztin Danielle Anthonioz-Bornet ist auf die traditionelle chinesische Medizin spezialisiert. Sie ist im Sinomedica-Zentrum in Genf tätig. Die grosse Mehrheit der Ärzte der sechs Schweizer Sinomedica-Zentren haben eine Universitätsausbildung für westliche Medizin sowie eine Spezialisierung für die traditionelle chinesische Medizin.

© Alain Forster

Mit Doktor Alain Forster, ehemaliger Narkosearzt, spezialisiert auf die medizinische Hypnose
Herr Doktor Alain Forster hat 40 Jahre lang als Narkosearzt am Universitätskrankenhaus in Genf gearbeitet, wo er insbesondere die Hypnose in seine Arbeit integriert hat. Derzeit praktiziert er Hypnose zwei Mal pro Woche in seiner Privatpraxis. Er ist ebenfalls als Hypnoseausbilder in der Romandie tätig. Er ist Mitglied zweier Schweizer Hypnosegesellschaften (SMSH/SHypS).

 

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